Paukenschlagfinale

Da wir 75 Seemeilen vom westlichsten Punkt der Bahamas „West End“ auf Grand Bahama bis nach Fort Lauderdale in Florida zu bewältigen hatten, starteten Gerhard und ich schon um sechs Uhr in der Früh, als alle noch schliefen.

Die See war hier noch sehr ruhig, der Himmel zeigte aber schon herannähernde, größere Niederschläge an. Nachdem wir das Wetter nochmals kontrolliert hatten und wir keine Wetterveränderungen in den nächsten Tagen erkennen konnten, starteten wir trotzdem.

Eigentlich legt die SanVerDa 75 Seemeilen normalerweise in 12 Stunden zurück. Nachdem wir eine Zeit lang schon mit Motor gefahren waren, da kein Wind blies, waren wir etwas verwundert, warum wir nicht auf unsere normale Geschwindigkeit kamen. Wir sausten optisch nur so dahin, aber es wurden nur 3 Knoten Geschwindigkeit über Grund angezeigt. Ungefähr bei der Hälfte unserer Fahrt schlossen wir dann darauf, dass das mit dem Golfstrom zusammenhängen musste. Tapfer aber sehr gemächlich kämpfte sich die SanVerDa durch die Wellen. Je weiter wir fuhren, umso schlechter wurde das Wetter. Es schüttete fast den ganzen Tag über, so dass Gerhard schon mehrmals sein Gewand wechseln und wir den ganzen Tag über im Inneren der SanVerDa verbringen mussten.

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Eigenartigerweise wurde unser Boot (trotzdem alles in bester Ordnung war) immer langsamer und wir merkten den hohen Dieselverbrauch des Schiffes. Immer wieder fuhren wir durch Schlechtwetterfronten und hofften auf Windunterstützung – jedoch jedes Mal vergeblich.

Wir wussten vom Golfstrom und seiner Kraft, die wir uns bei der Überfahrt über den Atlantik zu nutze machten und dass er hier in der Floridastraße eine Geschwindigkeit von bis zu vier Knoten erreichen konnte. Als es dann schon 22 Uhr war und unsere Schiffsnavigation immer noch 12 Seemeilen anzeigte, stellten wir einmal unsere Motoren ab und ließen uns im Meer treiben. Wir hatten nun eine „Negativgeschwindigkeit“ auf unserem Display und die Zeiger der Tankuhren bewegten sich schon im roten Bereich. So schauten wir zum Himmel und hofften auf ein Gewitter in den nächsten Stunden, bei dem uns der Wind für das restliche Stück, das wir noch bis zum Hafen hatten, behilflich sein würde – aber es kam nicht.

Wer jedoch nach ungefähr zwei Stunden kam, das war die U.S. Coast Guard. (Sie ist für die Überwachung der eigenen und der angrenzenden internationalen Gewässer zuständig. So soll in erster Linie der Drogenschmuggel unterbunden werden. Es werden dabei immer wieder Yachten kontrolliert. Sie tragen auch dafür Sorge, dass alle Seefahrzeuge die Schifffahrtsregeln einhielten und sind auch für die Seenotrettung zuständig.)
Da wir uns im Meer treiben ließen und die Beamten das wahrscheinlich auf ihren Radarschirmen sahen, kamen sie zu uns an Bord und kontrollierten unser Boot, die Positionslichter, die Schwimmwesten und alle anderen Sicherheitseinrichtungen und stellten uns ein positives Inspektions-Zertifikat aus. Dabei erzählten wir ihnen, dass wir hier auf Windunterstützung warteten, weil wir sonst nicht sicher waren, ausreichend Diesel zu haben, um die Marina in Florida zu erreichen. Hilfsbereit schauten sie sofort in ihrem Wetterbericht nach und sahen, dass auch in den nächsten Tagen keine Wetterveränderung erkennbar war (Regen und kein Wind) und das Warten deshalb aussichtslos sein würde.

Mit den Worten, sie würden sich etwas überlegen und nachfragen, verließen sie unser Boot wieder. Kurz nach Mitternacht näherten sie sich dann wieder unserer SanVerDa und teilten uns mit, dass es das Vernünftigste sein würde, wenn wir von einem Abschleppboot in den Kanal gezogen würden, da der Golfstrom derzeit mit 8 Knoten Fließgeschwindigkeit fließt und wir so mit dem Diesel nicht auskommen könnten und ohne Diesel tagelang auf Wind warten müssten. Wir überlegten nicht lange und sagten zu, denn Erich war ein bisschen seekrank und außerdem hatten wir ja auch unsere Enkelin Rosa an Bord, der wir so eine lange, wackelige Wartezeit ebenfalls nicht antun wollten. Um 1.30 Uhr kam dann ein „Ablschleppboot“ mit zweimal 490 PS Motoren und zog uns nach Fort Lauderdale. Da das Meer und der Golfstrom so heftig waren, hatte auch dieses ganz schön zu kämpfen.

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Nun kamen wir unserem Ziel näher und konnten dabei in Ruhe schlafen. Rosa und Erich verschliefen den Einsatz komplett und Luki und Gerhard „schliefen“ im Salon, um dem Mann gegebenenfalls behilflich sein zu können.

Um ungefähr vier Uhr in der Früh fuhren wir in Port Hillsboro in den Kanal ein. Fort Lauderdale war durch die „Nachtbeleuchtung“ wunderschön anzusehen. Gesäumt von Palmen fuhren wir zwischen den Häusern der Reichen und den Hochhäusern entlang. Wir passierten etliche Brücken, brauchten aber nicht immer die Brückenöffnungszeiten abzuwarten, da wir geschleppt wurden und waren schließlich kurz vor sechs Uhr bei der Marina. Da man um diese Zeit noch nicht hineinfahren konnte, ankerten wir davor.

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Wir waren sehr zufrieden mit der Lösung, die wir getroffen hatten, denn auch mit ausreichend Diesel in Ersatzkanistern wäre es eine für unsere SanVerDa unmögliche Angelegenheit gewesen Fort Lauderdale anzusteuern. (Wir haben viele Bücher gelesen, auch gestern blätterten wir noch unsere Fachlektüren durch, um Informationen zu bekommen, aber diese konnte man hier nirgends herauslesen!)

Um sechs Uhr in der Früh legten wir uns dann endlich alle zufrieden und erleichtert ins Bett und genossen eine kurze Bettruhe.

Haben sich vielleicht der Golfstrom und unsere SanVerDa verbündet und wollten uns noch dazu überreden unsere Reise fortzusetzten und sie nicht hier in Fort Lauderdale zu beenden?

Es gibt sicherlich noch viele schöne Plätze und Orte zu sehen und man könnte so eine Reise immer weiter ausdehnen. Wir sind aber sehr froh, dass wir den Mut hatten, diese Reise – wie schon Jahre zuvor geplant – durchzuführen und wir sind unendlich dankbar, dass wir diese ohne irgendwelche Zwischenfälle, Unfälle und mit so viel Spaß und Freude erleben durften.

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