Der Atlantik ruft!

Nun ist es soweit und wir starten in Richtung Tobago. Wir rechnen mit einer Fahrtdauer von mindestens 16 Tagen, falls der Wind günstig weht.

Solange wir auf dem Atlantik sind, haben wir kein Internet und deshalb sind wir da auch nicht erreichbar. Es gibt erst wieder in der Karibik die nächsten Blog-Nachrichten von uns!

Albino zeigte uns Fogo, die Vulkanische

Mit der Fähre Kriola fuhren wir zeitig in der Früh auf die Nachbarinsel Fogo. Dort wurden wir im Fährhafen Cais Vale dos Cavaleiros von Albino, einem Guide und Aluguer-Fahrer der Insel erwartet. (Solltet ihr einmal auf diese Insel kommen und einen gut Englisch sprechenden, äußerst zuvorkommenden und intelligenten Reiseführer suchen, dann haben wir hier seine Nummer: 0238 995 32 31)

2 Albino

Nachdem wir mit ihm unsere Vorstellung bezüglich Sightseeing in Fogo abgesprochen hatten, ging es in die 4km entfernte Hauptstadt der Insel Sao Filipe. Diese nette Stadt mit ihren Sobrados (Kolonialhäuser mit Veranden aus dem 18./19. Jhdt., der schönen Unterstadt Vila Baixo und den Märkten gefielen uns wirklich sehr, da sie irgendwie für uns einen Südstaaten-Flair versprüht.

3 Sobrado4 Sobrado5 Unterstadt6 Märkte7 Märkte

Wirklich außergewöhnlich gut fanden wir die unzähligen Malereien unbekannter, junger Künstler an den Hauswänden.

8 Malerei9 Malerei10 Malerei11 Malerei

Da wir für die Atlantiküberquerung noch Obst und Gemüse benötigten, brachte uns Albino zu einem entsprechenden Laden. Das Obst hier ist direkt aus der nächsten Region, wird überhaupt nicht behandelt und ist deshalb wirklich BIO!

12 Fruchtkauf

Damit wir uns selbst davon überzeugen konnten, brachte uns unser Chauffeur nach Patim, 10 km außerhalb der Stadt, wo wir die Gärten und die Menschen, die dort arbeiten, sehen konnten.

13 Gärten14 Gärten15 Gärten

Nun ging unsere Fahrt weiter nach Cha das Caldeiras. Eindrucksvoll ist diese Vulkanlandschaft und die Hänge mit Lavaschrott erinnerten uns sehr an unsere Schipisten, so hoch und steil waren sie und wie mit Neuschnee bedeckt wirkten sie. Nur die Farbe passte eben nicht.

16 Fahrt nach Cha das C

In diesem Kraterboden, den man befahren kann, gibt es zwei Orte Portela und Bangaeira. Sie wurden beim letzten Vulkanausbruch 2014 total von der herabfließenden Lava verschüttet. Die Leute aber blieben ihrer Heimat treu und schon vier Monate später bauten sie teilweise auf die Asche der verschütteten Häuser ihre neuen Häuser auf. Ohne Strom wird hier gelebt und das Wasser stammt von den Sammelflächen auf den Dächern der Steinhäuser, die den geringen Niederschlag auffangen.

17 PartelaFuncos 2

So ist das auch bei der Kirche. Die neue ist zwar noch lange nicht fertig, aber die Messe wird, wie man sieht, schon gehalten.

21 Kirche kaputt21 Kirche neu

Die typischen Häuser in diesen Kraterorten sind rund, aus Lavastein und heißen Funcos.

Funcos 1

Der höchste Berg der Insel ist der Pico do Fogo mit 2928m Höhe.

18 Pico Fogo

Er ist ein nicht mehr aktiver Vulkan. Die zwei niedrigeren Krater daneben, sind jedoch immer noch aktiv. In den letzten Jahren waren 1995, 2005 und 2014 Vulkanausbrüche, bei denen Lava bis ins Meer rann.

Krater

Angebaut werden hier unter anderem Wein, Quitten und kleine Äpfel. Die Menschen vermarkten die Produkte teilweise selbst bzw. wird das von einer Landwirtschaftskooperative übernommen.

Bild Weinstöcke19 Weinanbau

Da die Leute hier sehr arm sind und keine staatliche Unterstützung für den Wiederaufbau bekommen, haben wir versucht, ihnen zu helfen, indem wir wenigstens einige Produkte wie Wein, Marmeladen und Erdnüsse kauften.

20 Einkaufen

Nun ging es zum Mittagessen in Portola. Telefonisch hatten wir Stunden vorher das Essen vorbestellt, anders bekommt man hier und auch in Brava kein Essen serviert. So sind die Zutaten immer frisch und zur richtigen Zeit zubereitet.

Durch bizarre Täler von Lavaströmen und Erosion geformt ging es die Ostküste entlang hinauf in Richtung Norden. Die Erosionsrisse, die hier in der Landschaft zu sehen sind, ließen uns staunen.

22 Bizarres Tal23 Bizarres Tal

Hier im Norden ergibt sich ein ganz anderes Bild von Fogo. Überall wo man hinschaut ist es grün.

28 grüner Norden

Bananenplantagen, Papayafelder, Gärten mit Mangos und Orangenbäumen erstrecken sich hier.

24 Plantagen

Ganz typisch ist auch der Kaffee, der hier angebaut wird. Im März werden die Bohnen gepflückt und getrocknet, später geröstet und dann auf allen Inseln der Kap Verden verkauft. Derzeit werden ca. 50t geerntet. Der Kaffeeanbau soll aber mit Unterstützung der Niederlande auf 300t ausgebaut werden.

27 Kaffee

Bei einer kurzen Erfrischung an einer Bar, wo auch die Einheimischen, die von der Orangenernte heimgingen, einen Zwischenstopp einlegten, schenkte uns ein Herr Orangen. Er meinte, die schmecken besonders gut, denn die wurden am Morgen gepflückt und wenn man dies mit Edelmetall vergleichen würde, wäre das Gold! Wir nahmen das Geschenk gerne an und bedankten uns bei ihm mit einem Erinnerungsbild und sind schon sehr gespannt auf ihren Geschmack!

26 Orangen

Nun fuhren wir Richtung Osten zu den Meerespools von Las Salinas. Die drei freizugänglichen Naturpools sind durch die starke Brandung beim Erkalten des Lavastromes entstanden. Sehenswert sind hier eine natürliche Steinbrücke und die Bootsschuppen, wo die Fischer ihre Utensilien aufheben.

30 FischerbootBootsschuppen

Nun schlugen wir den Weg in Richtung Sao Lourenco ein, wo wir leider nicht den Heiligen Laurenz in der Kirche bewundern konnten, da diese versperrt war. Bewundern konnten wir jedoch einen 400 Jahre alten Baobabs (Affenbrotbaum) mit einem Stamm, der unvorstellbar dick ist.

31 Baobab32 Baobab

Nun war noch ein bisschen Zeit, die wir mit einem Abendessen in Sao Filipe verbrachten, bevor uns Albino wieder beim Fährhafen absetzte, wo wir mit der „Fast Ferry“ nach nur 40 minütiger Fahrt in Furna gelandet sind.

33 Abschied

Mit John-John über den höchsten Berg Bravas

Vor unserer langen Überfahrt wollten wir uns unbedingt nochmals ausreichend bewegen. Deshalb vereinbarten wir gestern am Abend mit John-John, einem Guide aus Brava (der 20 Jahre lang in Amerika gelebt hatte und deshalb perfekt Englisch spricht) eine ausgedehnte Wanderung.

Um 10 Uhr in der Früh sollte sie beginnen. Wie auf den Kap Verden üblich, muss man immer zwischen einer halben und einer ganzen Stunde dazugeben, dann liegt man richtig.

3 Warten auf John John

Gerhard nutzte die Zeit zum Liming und ich machte inzwischen ein Foto von der Nachbildung des Schiffes St. Helena (gehörte auch einer Flotte von Columbus an), das hier in Furna auf einem Felsplateau steht. Der Grund dafür ist, dass dieses Schiff hier vor Brava gesunken ist.

2 Helena

Kurz vor 11 Uhr war es dann soweit und wir fuhren mit dem Aluguer nach Nova Sintra. Von hier gingen wir zum höchsten Berg von Brava, den Alto de Fontainhas, mit 976m. Auf seinem höchsten Punkt machten wir nach 2,5 Stunden eine kurze Rast.

7 Wanderung Gipfel

Die Wanderung über die Berge führte auf einer wunderschönen Strecke in den Vulkankrater. Diesen umkreisten wir zur Hälfte und danach ging es auf der anderen Seite in den Süden der Insel nach Cachaco.

5 Wandern8 Wanderung9 Wanderung10 Wanderung11 Wanderung - Krater12 Wanderung13 Wanderung

Heute gelang es uns auch das erste Mal einen Kingfisher zu fotografieren. Er fliegt hier überall auf den Kapverdischen Inseln herum.

6 Wanderung Vogel

Auf dem Weg nach Cachaco kamen wir bei vielen Guaven vorbei. John-John zeigte uns, woran man reife Früchte erkennt und ließ uns diese kosten. Wir pflückten recht viele dieser kleinen, schmackhaften Früchte, die wir auf dem Boot noch etwas nachreifen lassen und dann bei der Überfahrt verzehren werden.

16 Guave kosten17 Guave pflücken18 Guave pflücken

Nun gingen wir die alte Straße bergab nach Cachaco, wo wir noch in einer Bar einkehrten. Wir konsumierten Getränke und kauften nochmals Frischkäse, der in diesem Ort hergestellt wird, um die Bevölkerung auch durch unseren Einkauf zu unterstützen.

14 Bar15 Bar

Für 5 Uhr hatten wir ein Aluguer in diesen kleinen Ort bestellt, das uns wieder nach Furna brachte. Auf unseren Wunsch hin machten wir jedoch noch einen kurzen Zwischenstopp um bei einem Bauern selbstgemachten Grogue zu kaufen. Gerhard verkostete den edlen Tropfen mit dem Produzenten. Danach kauften wir eine Flasche Grogue, der vor unseren Augen vom Plastikkanister in eine alte Glasflasche gefüllt wurde.

20 Groque

Zufrieden packten wir die Flasche in unseren Rucksack, fuhren nach Furna und verabschiedeten uns von einem tollen Guide. Solltet ihr einmal nach Brava kommen und wollt professionell geführt werden, dann können wir euch nur raten John-John zu fragen bzw. ihn anzurufen. Seine Telefonnummer ist 0238 929 3527!

Die Herstellung von Grogue:

Die Ernte

Die Ernte findet in den Monaten April bis Ende Juni statt. Hier werden zuerst die trockenen Blätter des Zuckerrohrs (Desfoliar cana) entfernt, um zu vermeiden, dass die nachkommenden Sprösslinge zertreten werden.
Dann wird mit dem Schneiden begonnen. Mit einer „Mandjat“, einem Gerät welches aussieht wie ein Hammer, aber an einer Seite eine Schneide hat, werden die Zuckerrohre umgehackt und dann beginnt die Arbeitsteilung: einer schneidet das Zuckerrohr, der nächste entfernt die Blätter, der dritte entfernt mit einer scharfen Machete die Spitzen, an denen sich noch grüne Blätter befinden.
Nun werden die Zuckerrohrstangen zu ca. 20 kg schweren Bündeln zusammengebunden und auf den Köpfen der Frauen in den „Curral“ getragen, um dort ausgepresst zu werden.

Die Presse

Bei der Zuckerrohrpresse (der sogenannten Trapicho) wird der Saft aus den Zuckerrohrstangen herausgepresst: die Stange wird in die Presse mit drei Walzen geschoben. Die beiden vorderen Walzen quetschen das Zuckerrohr, die untere und die hintere Walze pressen das Zuckerrohr aus.
An den beiden vorderen Walzen befinden sich kleine Kerben. Die Kerben verringern den Kraftaufwand des Einschiebens des Zuckerrohrs, da sie das Rohr „einklemmen“ und durch die drehende Bewegung der Walzen automatisch hindurchziehen.
Nun kommt seitlich der Saft und am Ende der Presse die Hülle des Zuckerrohrs heraus, das Bagaço, welches in manchen Brennereien als Brennstoff zum Befeuern der Brennerei benutzt wird – wenn nicht mit Gas beheizt wird.
Manche Zuckerrohrpressen werden elektrisch betrieben – in manchen traditionellen Currals findet man auch heute noch mit Maultieren oder Ochsen betriebene Pressen. Sie gehen im Kreis, bewegen ein Rad und dadurch die Walzen der Presse (so eine Presse seht ihr im Blog vom 26.11.).

Das Gärhaus

Der frisch ausgepresste Zuckerrohrsaft (Calda fresco) wird nun Kübel für Kübel in die Gärbehälter gefüllt.

Nach dem Befüllen beginnt die Arbeit des Kellermeisters. Dem Calda wird eine Säure zugesetzt, um sich möglicherweise schon im Calda befindende Hefen und Bakterien abzutöten. Kurze Zeit später gibt er die Hefe hinzu, die die Aufgabe hat, bei der alkoholischen Gärung den Zucker in Alkohol umzuwandeln. Hierbei entsteht zusätzlich Kohlendioxid, welches über die auf dem luftdicht abgeschlossenen Behälter sitzenden Gärspunde entweichen kann.
Der Calda erwärmt sich und es brodelt einige Tage kräftig im Gärbehälter, da die Hefe bei ihrer Vermehrung und der Umwandlung von Zucker in Alkohol, viel Energie produziert. Nun dauert es 4 bis 6 Wochen bis der Zucker vollständig in Alkohol umgewandelt ist.
Am Ende der Gärung, wenn keine Aktivität mehr zu beobachten ist und der Calda nun eine relativ klare Farbe aufweist, geht es weiter zur Brennerei.

Die Brennerei

Der vergorene Saft wird nun in die Brennerei gefüllt. Diese wird mit Zuckerrohrstroh und anderen brennbaren Stoffen beheizt.
Beim Raubrand wird bis ca. 98° C destilliert, während beim Feinbrand, dem zweiten Brand, nur bis 91° C destilliert wird.
Nach der Destillation hat der Brand mit einer Stärke zwischen 56 bis 72 vol.%, der zum Trinken wohl zu stark ist. Deshalb wird der Brand mit destilliertem Wasser auf eine Trinkstärke von etwa 45 vol.% verdünnt.

Je nachdem, wie lange der nun fertige Grogue in einem Holzfass gelagert wird, ändert sich die Färbung und der Geschmack: Je dunklere, desto älter und teurer ist der edle Tropfen!

Unser Grogue ist leider erst 1 Jahr alt, schmeckt aber vorzüglich und wird sicherlich nicht in einem Holzfass alt werden! ☺

Nova Sintra – vermutlich die schönste Stadt der Kap Verden

In der Früh standen wir schon zeitig auf, da wir noch bei der Hafenpolizei und bei der Immigrationsbehörde nach dem Wochenende einklarieren mussten.

Unser alter Bekannter „Albert“, der uns auch beim Anlegen half, wartete schon auf uns und begleitete uns auf den Behördenwegen. Das war sehr praktisch, denn im Gegensatz zu den „Beamten“ sprach Albert super Englisch und konnte den Beamten dolmetschen. ☺

Auch das Brot, das wir vorbestellt hatten, holte er mit mir beim Bäcker, nachdem es nicht in dem kleinen Geschäft gewesen war, wie vor zwei Tagen vereinbart.

2 Albert

Nachdem die wichtigsten Programmpunkte des Tages erledigt waren, stiegen wir in ein Aluguer und fuhren in die Hauptstadt Bravas nach Nova Sintra.

Im 18. und 19. Jahrhundert war diese Stadt ein beliebter Aufenthaltsort für Adelige und Kolonialbeamte aus Santiago, die dem dortigen feuchtwarmen Klima entflohen. Sintra, die ehemalige königlich-portugiesische Sommerresidenz bei Lissabon, stand also nicht von ungefähr für den Ortsnamen Pate und die Bewohner hier sind sich darauf stolz und erwähnen es gerne. Von damals kommt wahrscheinlich auch der Reichtum, den man heute noch an den Häusern erkennen kann.

Nova Sintra ist eine sehr ruhige, sympathische, gepflegte Stadt, über und über mit blühenden Stauden, Bäumen und Pflanzen übersät. Man kann das leider auf Fotos überhaupt nicht widergeben. Diese Kleinstadt zählt sicherlich zu den schönsten Städten der Kap Verden.

18 Pflanzen19 Pflanzen20 Pflanzen21 Pflanzen22 Pflanzen23 Pflanzen24 Pflanzen25 Pflanzen

Im Zentrum der Stadt liegt ein riesiger Platz, Praca Eugenio Tavares, den die teilweise unbenannten Straßen schachbrettartig umgeben.

3 Platz4 Platz5 Allee6 Allee7 Allee

Alle Häuser hier wirken sehr gepflegt und haben oft kleine Vorgärten oder rundherum große Gärten mit Früchten aller Art.

14 Häuser13 Häuser12 Häuser11 Häuser10 Häuser

Beeindruckend sind die großen Kolonialhäuser (Sobrados), die auch überall mit Blumen umgeben sind.

17 Sobrados16 Sobrados15 Sobrados

Am Ostrand der Stadt findet man die Nachbildung der Santa Maria, des Flaggschiffes von Kolumbus. (Bei den europäischen Kelten was das Boot Attribut der Muttergottheit. Dieser Glaube floss in die christliche Marienverehrung ein und wurde im Zeitalter der Entdeckungsfahrten weit über den Atlantik getragen. Hier gibt es deshalb bei der Johannisfeier ein großes Fest und die Nachbildung ist den Einwohnern hier sehr wichtig!)

9 Santa Maria

Nach Hause gefahren sind wir wieder mit einem Aluguer. Was bei dieser Fahrt besonders war? Es fuhren 21 Personen mit. Eine Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern, Gerhard und ich und eine Fußballmannschaft samt Coach, die gerade irgendeinen Sieg feierte. So ging die Fahrt nicht direkt nach Furna, sondern zuerst fuhren wir einige „Mercados“ an, wo kleine Bierflaschen für die Fahrt eingekauft wurde.

Mit lautdröhnender, übersteuerter, afrikanischer Musik mit beinahe 20 Pubertierenden (Geruch!!!), die lauthals zur Musik mitsangen, ging es zum Boot zurück. (Trotz dieser außergewöhnlichen Situation, muss man sagen, die Jugendlichen nahmen uns gerne mit und waren auch sehr höflich und äußerst friedlich.)

26 Aluguer

Als wir dann zu unserem Schiff gingen, sahen wir, dass ein zweites österreichisches Segelboot im Hafen angelegt hatte. Zufällig trafen wir mit dem Besitzer am Steg mit dem Dingi zusammen. Dieser erzählte uns, dass sie in der Nacht in Praia waren und dass die Polizei wegen eines kürzlichen Überfalls bei ihnen am Boot geschlafen hatte. Ihnen ist also nichts passiert, aber Spaß macht so etwas wahrscheinlich trotzdem nicht!

PS.: Noch eine gute Nachricht: Gerhard konnte das Funkgerät reparieren. Jetzt können wir nicht nur empfangen, sondern auch antworten. Das ist ein gutes Gefühl, wenn wir bald die Atlantiküberfahrt starten werden.

Mit dem Aluguer in Begleitung von Tony auf allen befahrbaren Straßen der Insel unterwegs

In Brava ist es immer sehr warm. Wir sind heute bei 27°C aufgestanden. Die Sonne schafft es aber kaum durch die dicke Passatwolkendecke. Das ist besonders verträglich für die Pflanzen hier (und auch für uns!!!). Die ganze Insel ist grün, überall wo man schaut findet man ineinander verschlungene, alte „Hibiskusbäume“, die alleeartig die Straßen säumen.

3 Pflanzen - Hibiskusallee3 Pflanzen - Hibiskus23 Pflanzen - Hibiskus

Auch riesige, blühende Bougainvilleen, Wandelröschen und andere Blumen findet man auf Schritt und Tritt. Die Gärten bei den Häusern sind bewässert und vom Zuckerrohr über die Kokospalme bis zu den Bananenstauden gedeiht hier alles prächtig.

3 Pflanze Drachenbaum3 Pflanzen - Vorgarten

Die Ortschaften sind alle klein und malerisch und überall wird man von freundlichen Leuten begrüßt.

4 Häuser 14 Häuser 24 Häuser 4

Heute am Sonntag sind in den Bars, die die Kommunikationszentren in den kleinen Dörfern sind, die männlichen Jugendlichen bei verschiedensten Spielen beisammengesessen. Auffällig hier auf den Kap Verden ist auch, dass es in jeder Ortschaft – meist im Zentrum oder am Hauptplatz ein „Wutzler“ aufgestellt ist.

Wuzler

Um 10 Uhr früh starteten wir unseren Tagesausflug mit Tony und einem Aluguer und einem Chauffeur seiner Wahl.

Aluguer

Wir besprachen mit ihnen die Orte, die wir gerne besuchen wollten und starteten gleich mit einer zweistündigen Wanderung durch das Tal von Faja de Agua.

Selfy

An einer Wegkreuzung in Cova Rodela ließ und das Aluguer aussteigen und mit Walkingstöcken ausgerüstet gingen wir auf alten Pflasterwegen von ganz oben das idyllische Tal bis zum Meer hinunter. (Dort wurden wir zweistunden später wieder von unserem Chauffeur abgeholt!)

2 Wanderung 0 ganzes Tal2 Wanderung 12 Wanderung 22 Wanderung 4Esel2 Wanderung 52 Wanderung 62 Wanderung 6b2 Wanderung 12

Auf dem Weg ins Tal kamen wir bei vielen uns bekannten, aber auch uns unbekannten Pflanzen vorbei. Tony pflückte uns „Tamarindenschoten“ und ließ uns diese kosten.

Die Tamarinde, auch indische Datteln genannt, hat Ihren Ursprung in Afrika. Häufig verwendet wird sie wegen ihres herb-säuerlichen Fruchtmarks in der indischen, thailändischen oder afrikanischen Küche und ist eine beliebte Zutat in Würzsaucen wie der Worcestershiresauce.

Der Tamarindenbaum wird heute in den meisten tropischen Ländern angebaut, oft auch als Zierbaum, Schattenspender und zum Schutz gegen starke Winde. Da er sehr langsam wächst, dauert es meist mehr als 10 Jahre, bis er Früchte trägt. Dafür entschädigt sein langes Leben: Alte Bäume von über 150 Jahren sind keine Seltenheit.
Die besonders in Asien wegen ihres herb-säuerlichen Aromas beliebte Hülsenfrucht wird bis zu 20 cm lang.

3 Pflanze Tamarinde2 Wanderung 3 Tamarinde

Vorbei ging es an alten, nicht mehr bewohnten Gehöften mit riesigen Gartenanlagen (leider nun verwaist!) einen steilen Serpentinenweg hinunter zu den Häusern von Lagoa. Dieses nette Dörfchen liegt von Kokospalmen beschattet an einem Hang.

2 Wanderung 5b tote Stadt

Tony ging mit uns in einen Hof hinein, wo wir freundlich empfangen wurden und als Gastgeschenk sofort jeder eine frisch gepflückte Kokosnuss bekamen.

2 Wanderung 9 Kokosnuss pflücken2 Wanderung 10 Kokosnuss öffnen2 Wanderung 11 Kokosnuss trinken

Außerdem befand sich mitten im Hof dieser alte Grogue-Mühle auch noch eine alte Zuckerrohrpresse, die früher einmal mit Ochsen angetrieben wurde.

2 Wanderung 7 Zuckerrohrpresse

Flott ging es nun weiter über die Bewässerungsrinnen in den Steinpfaden Richtung Meer in die Ortschaft Faja de Agua. Eigentlich besteht der Ort nur aus einer Häuserzeile entlang der Küste, mit wunderschönten rot blühenden Hibiskushecken. Die Wellen des Atlantiks schlagen hier meterhoch über die Felsküste.

4 Häuser 3

Gleich daneben befinden sich die „Piscinas naturais“ – ein beliebter Meerespool. Leider war durch Flut und starken Wind das Baden heute nicht erlaubt und der Meerespool vor lauter Wellen kaum zu erkennen.

Naturpool 2Naturpool

Durch malerische Ort wie Cova Joana, Nossa Senhora do Monte und Mato durch erreichten wir schließlich Cachaco. Von hier her kommt der Frischkäse, der dezent im Geschmack ist und für dessen Herstellung die Milch von Ziegen und Kühen verwendet wird. Tony brachte uns zu einem Bauern, dem wir einige Käseröllchen abkauften. (Zuhause haben wir ihn gleich verkostet und er ist wirklich super lecker! ☺)

Nun endete vor dem höchsten Berg Bravas, dem Alto de Fontainhas mit seinen 976m, die Straße und um in den Osten der Insel zu gelangen, fuhren wir auf den staubigen, holprigen Straßen wieder retour.

Mit kurzen Zwischenstopp in Joao d´Nole und Mato Grande ging es wieder zurück nach Furna.

Furna

Auf dem Weg blieben wir noch an einer Tankstelle stehen, da wir in der Früh den Diesel, den wir auf der Fahrt nach Brava verbraucht hatten, nachgefüllt hatten und um für die Atlantiküberquerung alle Kanister gefüllt zu haben, nahmen wir Diesel von dieser – 8 km entfernten Tankstelle – gleich im Aluguer mit zum Boot.

Tanken

Nun hatten wir etwas Zeit, um schon die Bilder auszuarbeiten und am Blog zu schreiben, bevor wir zu unserem vorbestellten Abendessen gingen. Nach sieben Uhr ist es hier stockfinster, aber trotzdem sehr schön!

Abendstimmung

Herzlich empfangen von den Menschen von Brava, der Blumenreichen!

Nach den weniger schönen Erlebnissen der letzten beiden Tage sind wir nach einer Nachtfahrt in der Früh im Hafen von Furna, im Nordosten von Brava angekommen. Hier haben wir uns sofort wieder wohl gefühlt.

1a Brava

Brava ist die kleinste, bewohnte Insel der Kap Verden und durch den beinahe 1000m hohen Monte Fontainhas gibt es immer Tau und dadurch pflanzenfreundliches Klima. So gedeihen hier Dattel- und Kokospalmen genauso wie verschiedene Hibiskusarten, Bougainvilleen, Jacarandabäume, Mandelbäume, und Oleanderbüsche. Brava ist außergewöhnlich grün und dazu gebirgig, also gut geeignet für das Wandern.

Furna ist ein Hafen, der in einem vom Meer überfluteten Vulkankrater angelegt ist.

2-Furna4 Furna - Bucht8 Felsplateau

Deshalb ist dieser sehr kleine Hafen nach drei Seiten hin von hohen Felswänden geschützt. Auffällig ist eine große, schräge, betonierte Regensammelfläche oberhalb von der Stadt.

6 Regenauffangfläche

Da auch die Fähre, die täglich nach Fogo fährt, hier ihren Heimathafen hat, benötigt auch diese sehr viel Platz.

7 Fähre

Als die zahlreichen Fischer, die auf den Felsplateaus fischten, sahen, dass wir nach einem geeigneten Ankerplatz Ausschau hielten, zeigte uns ein freundlicher junger Mann unter ihnen, dass wir hier gut stehen bleiben könnten.

3 Furna - Felsplateau

Nachdem wir den Anker richtig positioniert hatten, kam uns sofort ein kleines Fischerboot zu Hilfe und bot uns an, die Heckleine hinten am Wellenbrecher anzubringen. Erleichtert nahmen wir das Angebot an und frühstückten danach gemütlich.

Begrüßung

Während wir so entspannt beim „Wochenendfrühstück“ saßen, schwamm ein Schwimmer zu unserem Boot. Es war Tony, der junge Mann, der uns vorhin angezeigt hatte, dass wir hier ruhig ankern könnten. Er plauderte mit uns und brachte uns ein Plastiksäckchen gefüllt mit kleinen Fischen für das Mittagessen. Das fanden wir sehr, sehr nett und wir wussten nun, dass wir wieder auf den Kap Verden angekommen waren, die wir bisher kennengelernt hatten mit sehr höflichen, sehr zuvorkommenden, sehr freundlichen Menschen, die sich auf Besucher freuen und ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen!

Nach dem Frühstück kam dann ein älterer Fischer (möglicherweise der „Ortsvorsteher“) und zeigte uns, wo wir am Montag im Ort die Polizei finden konnten. Er erwartete uns schon bei der Dingi-Anlegestelle und marschierte mit uns durch die Ortschaft.

Als wir dann durch den Ort schlenderten, entdeckten wir wieder unseren Tony, dieses Mal beim Uril-Spielen, eine Leidenschaft der männlichen Bevölkerung auf den Kap Verden und ganz besonders hier und auf Fogo.

9 Uril

Er sprach uns gleich wieder an und wir plauderten mit ihm eine Weile lang. Da die Orte hier so winzig sind, Furna z.B. mit etwa 65 Einwohnern, gibt es zwar 5 Mercados und auf einem Blick sehen wir drei Bars, aber man muss alles bestellen, was man benötigt. Also half Tony uns in einem Lokal für morgen ein Abendessen und in einem Mercado Brot für Montag zu bestellen.

Außerdem reservierten wir für morgen in der Früh ein Aluguer, denn auch die kommen hier nur nach Bestellung!

10 Bar

Nun meldete sich schon der Hunger bei uns und wir bereiteten Tonys Fische zu.

11 Essen

Am Nachmittag waren wieder kleinere Reparaturarbeiten (Kühltruhe abtauen und abdichten, Versuch, das Funkgerät zu reparieren, …) auf dem Programm neben tauchen, lesen, Blog-schreiben und natürlich … liming! ☺

„Friedliche“ Vorweihnachtszeit

Seit Tagen fällt uns schon auf, dass überall die Schulen, Geschäfte und Straßen weihnachtlich dekoriert sind. Also hat das Weihnachtsfest sichtlich auch hier auf den Kap Verden einen hohen Stellenwert. Wie bei uns auch, ist die Weihnachtszeit nicht nur idyllisch und besinnlich, sondern bereitet vielen Menschen Probleme.

Heute haben wir das auch hier in Praia, der Hauptstadt von Santiago, miterlebt. Wie schon gestern berichtet, riet uns der Polizist zu äußerster Vorsicht in der Dunkelheit und wir hielten uns daran. Wir versperrten unsere Türen und Fenster von Innen und lasen gemütlich. Ein französisches Segelboot und wir übernachteten im Naturhafen von Praia.

Hafenansicht

Um 22 Uhr in der Nacht hörte ich, dass über Funk mit dem Nachbarboot kommuniziert wurde und dann auch von der Policia Maritim unser Name gerufen wurde. Da unser Funkgerät derzeit zwar empfangen, aber nicht senden kann, beließen wir es dabei, da sich niemand ein zweites Mal meldete.

In der Früh frühstückten wir, als uns plötzlich das Dingi unseres „Segelnachbars“ ansteuerte. Der Herr, sichtlich im Gesicht verletzt, teilte uns freundlicherweise mit, dass ihr Boot in der Nacht überfallen und ausgeraubt wurde. Wir bedankten uns für diese wichtige Information und atmeten durch, hatten wir doch dieses Mal wieder großes Glück! Wir entschieden uns nicht zu nahe beim Ufer zu ankern, somit war der Franzose näher.

Für uns stand nun fest, dass wir hier nicht länger bleiben wollen, als notwendig! Jetzt musste wir zuerst schauen, wie wir zu Diesel kamen, den gestern war uns das nicht gelungen. Wir fuhren wieder zum Anlegesteg für die Großschifffahrt und machten dort fest. Da es noch nicht 10 Uhr war, nahmen wir unsere Pässe und gingen zur Immigrationspolizei, um ihnen zu melden, dass wir aufgrund des Überfalls auf das Nachbarboot schon heute am Nachmittag Praia verlassen wollten. Es folgte wieder geschäftiges Telefonieren, langes Warten und schließlich erhielten wir die ersehnten Stempel, die wir für die Ausreise benötigten.

Nun entschlossen wir uns, das Betanken unseres Bootes selbst in die Hand zu nehmen. Ich hielt den Trichter und Gerhard füllte Diesel aus den Kanistern in die Tanks. Wir waren sehr vorsichtig und taten dies auch unter „polizeilicher Aufsicht“. Scheinbar machten wir aber unsere Sache gut, da der Polizist kein Wort der Ermahnung zu uns sprach.

Nun machte sich Gerhard mit 8 Kanister auf den Weg zur Tankstelle, die einige hundert Meter entfernt war.

Gerhard Tanken

Ich blieb beim Boot zurück und schaute inzwischen zu, wie am Nachbarschiff die Bananen verladen wurden.

Bananen verladen

Es dauerte nur eine Dreiviertelstunde und Gerhard wurde von einem Aluguer bis zum Boot gebracht. Wir verstauten die Kanister und legten unser Boot wieder im Hafen vor Anker.

Nun mussten wir noch zur Maritim Police, um ihnen mitzuteilen, dass wir vorzeitig den Hafen verlassen würden. Als wir dort ausstiegen, sahen wir unsere Bootsnachbarn mit dem Botschafter aus Frankreich. Er verabschiedete sich gerade von den beiden und kam dann auch noch zu uns.

Praia ist in den letzten 20 Jahren um das doppelte gewachsen. Viele Leute, besonders junge, kommen wieder aus der Emigration zurück, finden hier aber keine Arbeit. Außerdem gibt es hier 35% Kinder und Jugendliche, die arbeitslos sind und in ihrem jugendlichen Leichtsinn und im Streit der Gangs schnell kleinere Gewaltverbrechen begehen. Alle diese Faktoren spielen dabei eine Rolle, dass in Praia die Gewalt derzeit steigt. Zusätzlich verschärft die Vorweihnachtszeit die Kriminalität und Überfälle von Jugendlichen werden häufiger. Er sagte, er würde uns dazu raten, Praia und auch Santiago schnellstmöglich zu verlassen. (Was wir ja schon vor hatten.)

Wir bedankten uns und setzten unsere „Behördenrallye“ fort. Im dritten Büro waren wir bzw. der Beamte richtig und wir bekamen unsere Schiffspapiere zurück und das Ausklarierungsformular.

Schnell packten wir alles in unseren Rucksack und machten uns noch auf den Weg in die Stadt. Wir wussten, dass es am Tag sicher war, deshalb gingen wir noch ein bisschen in der Stadt herum. Wir marschierten über den riesigen Praca Alexandre Albuquerque mit wunderschönen, sehr gepflegten Blumenrabatten und wie so oft – aufgrund der Wassernot – leeren Springbrunnen. Vorbei gingen es am ehemaligen Rathaus Camara Minicipale, der Kirche Igreja Nossa Senhora da Graca und dann beim Präsidentenpalast.

Präsident

Davor steht ein Bronzedenkmal vom Seefahrer Diogo Gomes mit Schwert und Sextant in der Hand. Er ist zusammen mit António de Noli der Entdecker Santiagos, der als Erster die Insel betreten haben soll.

Gomes

Nun wollten wir zum Schluss noch den Mercado de Sucupira (afrikanischer Markt) in seinen labyrinthartigen Gängen im Viertel Várzea besuchen, wo man von afrikanischen Kleidern, Stoffen, Musik, traditionellem Kunsthandwerk, typischen Landesgerichten bis zu Möbel und Haushaltsgeräte alles bekommen konnte.

Afro-Markt

Auf unserem Rückweg gingen wir noch zum Obst- und Gemüsemarkt, da wir ja nun unsere Pläne änderten und schon heute eine Nachtfahrt zur nächsten Insel machten. Außerdem sind wir nicht sicher, wann wir die Atlantiküberquerung nun starten werden und aus diesem Grund legten wir uns auch schon ein paar Vorräte an. Zum Schluss noch frisches Brot gekauft und die Boatboys, die auf unser Dingi aufgepasst hatten, gut bezahlt und los ging es zur SanVerDa.

Gemüsemarkt

Wir waren sehr froh, alles gut überstanden zu haben. Wir mussten unbedingt diesen Hafen zum Ausklarieren anlaufen, bekamen Treibstoff, Telefonkarte und Lebensmittel und wir sind wohlauf und uns geht es gut! Was will man mehr!

Zum Abendessen kochten wir uns noch Fisch mit Kochbananen und dann starteten wir unsere Nachtfahrt nach Brava.

Ankunft auf Santiago, der Fruchtbaren

Nach vierstündigem Segeln sind wir zu Mittag im Hafen von Praia eingelaufen! Santiago ist die größte Insel der Kap Verden und in der Hauptstadt Praia wohnen 230 000 Einwohner. Das ist eine ganz schöne Umstellung, nachdem wir in den letzten zwei Wochen nur kleine Dörfer besucht haben.

Bucht

Die größte Herausforderung hatten wir heute jedoch beim Einklarieren zu bewältigen. Gleich bei der Hafeneinfahrt empfing uns die Policia Maritim mit dem Polizeiboot und bat uns, gleich beim Hafenamt zu melden. Wir ankerten und wollten mit dem Dingi an Land fahren. Da hörten wir immer wieder über Funk schon „SanVerDa“ rufen. Um die Polizisten nicht zu verärgern und so schnell wie möglich bei ihnen zu sein, holten wir den Anker wieder herauf und legten an der Kaimauer an, von der wir vermuteten, dass dort das Hafenamt war. Leider war hier nichts zu finden. So wendeten wir uns an einen laut telefonierenden Verkehrspolizisten auf der Straße, der uns nach kurzer Erklärung sofort ein Taxi rief, das uns zur Hafenpolizei zum Einklarieren brachte.

Dort angekommen, meldeten wir einem im Freien sitzenden Polizisten, der gerade mit „liming“ beschäftigt war, dass man auf uns warte, worauf uns dieser Polizist bei dem zweiten im Büro anmeldete und wir durften eintreten. Wir übergaben ihm unsere Pässe und Schiffspapiere zur Kontrolle und zum Stempeln. Eine Stunde lang suchte er dann einen Stempel von Mindelo im Pass von Gerhard, den es nicht gab, bevor er uns ein normales Einreiseformular ausfüllen ließ. Nun war er nach zwei Telefonaten mit Mindelo zufrieden trotz „mistake“ und schickte uns zur Immigrationsbehörde. Wir stiegen wieder in das Taxi und fuhren zur zweiten Station. Drei Büros betraten wir, aber wir konnten niemanden finden, bis uns ein Einheimischer weiterhalf und in irgendeinem Kammerl hinter den Büros einen Polizisten fand. Dieser war sehr gut gelaunt, hörte laut Musik und sang dabei mit, während er uns wieder drei Formulare zum Ausfüllen auf Portugiesisch heraussuchte. (Damit wir es mit der Sprache leichter haben, hat er uns zusätzlich ein schon von einem Franzosen ausgefülltes Formular zum Abschreiben gegeben! ☺) Nach langem Ausfüllen und Reden hatten wir endlich die Stempel in unseren Pässen. Er wollte aber noch eine Kopie der Schiffspapiere. Nun fuhren wir mit dem Dingi wieder zum Policia Maritim und wollten uns eine Kopie für die Immigrationsbehörde holen. Der „Oberchef“ dort meinte aber, das brauchen wir nicht, und wenn am Wochenende, wenn wir wegfahren die Immigrationsbehörde geschlossen hätte, wäre das nicht unsere Schuld. Schulterzuckend und die kapverdischen Behörden nicht verstehend, verließen wir nach fast vier Stunden die Polizei.

Der sehr „kompetente“ Polizist warnten uns noch vor, dass hier die Kriminalität sehr hoch sei, dass wir unser Boot auch wenn wir drinnen waren, von Innen immer verschließen und das Dingi immer jemandem zum Beaufsichtigen überlassen sollten. Außerdem sei es nicht ratsam, im Dunkeln in der Stadt zu sein. Jetzt lächelte der „Oberchef“ zufrieden mit seiner heute vollbrachten perfekten Leistung und zeigte uns zum Schluss noch den Bildschirm vom Hafen, wo die SanVerDa und noch ein zweites Segelboot videoüberwacht ganz alleine standen.

Wir verabschiedeten uns höflich und waren mit allem einverstanden, was die Behörden hier – auf welche Art auch immer – zufrieden stellte.

Da jetzt aber der ganze Nachmittag vergangen war und wir vor dem Dunkelwerden wieder auf dem Boot sein sollten, hatten wir nur noch für einige Besorgungen Zeit.

Stiegen

Also machten wir uns auf die Suche nach einer Telefonkarte, um den Blog weiter ins Netz stellen zu können und einen Bäcker, um Brot für das Frühstück zu besorgen. Außerdem warteten wir jetzt schon einige Inseln lang, um endlich wieder zu nicht so überteuertem Obst zu kommen und hier in Santiago wächst wieder Obst und muss nicht importiert werden. Also suchten wir noch einen Markt, um Obst zu kaufen. Ich kochte am Abend heute nochmals Marmelade (Papaya-Banane), um bei der Atlantiküberquerung eventuell auch Süßes zu haben, falls es die Nerven benötigen! 😉

Marmelade

Eines ist uns den ganzen Tag jedoch trotz Engelsgeduld nicht gelungen: Das Boot für die Atlantiküberquerung nochmals aufzutanken. Auch hier wurden wir immer zu einer bestimmten Stelle bestellt, wo ein Tankwagen uns Diesel verkaufen sollte, aber der Wagen kam nicht. Gerhard ging schließlich zur Tankstelle im Ort und die versprachen ihm, morgen um 10 Uhr zu kommen. Wir sind schon gespannt!

Schon ein Vierteljahr unterwegs und wir freuen uns immer noch täglich auf neue Erlebnisse!

In der Früh schafften wir wieder problemlos die Brandung zum Strand mit unserem Dingi zu nehmen. Wir machten uns gleich auf den Weg zum Dorfplatz, um uns ein Aluguer zu organisieren.

Hier auf Maio verkehren nur in der Früh zu einigen Dörfern diese Mitfahrgelegenheiten, zurück kommt man schwer. Also entschieden wir, uns ein Aluguer zu suchen, das uns eine komplette Runde um die Insel bringt und auch die Möglichkeit zum Fotografieren und Genießen der Insel gibt.

Wieder hatten wir großes Glück. Schon das zweite Aluguer, das wir aufhielten, war Toto Pedro Vaz. Er war superfreundlich, blieb überall stehen und wartete, während er sich mit den Leuten in der Ortschaft unterhielt, bis wir von unseren Rundgängen zurückkamen.

0-Toto

Wir umrundeten die Insel im Gegenuhrzeigersinn und begannen mit den kleinsten Hirtendörfern im Osten und Norden, die teilweise nur sehr wenige Einwohner haben. Trotzdem bestehen diese verschlafenen Ortschaften alle aus bunten, kleinen Häuschen, die wunderschön anzusehen sind oder aus noch älteren Steinbauten.

Häuser - 1Häuser - 2Häuser - 3Häuser - 4Häuser - 5Häuser - Selfy

Typisch ist für die Insel, obwohl sie so trocken ist, dass überall in den Orten die Straßen mit Blumen geschmückt sind. Mehr noch, die Einwohner haben sich sogar bemüht, Gärten anzulegen, um der Natur alles abzugewinnen, was nur irgendwie möglich ist. … und es ist, wie man sieht doch viel möglich, wenn man nur will!

Gärten - BananeGärten - KokosGärten - Strassenmitte

In den Ortschaften herrscht ganz viel Ruhe. Die Menschen sitzen verträumt vor ihren Häusern und die Zeit scheint hier stillzustehen.

Häuser - 6 mit Familie

Außerdem laufen überall mitten auf den Straßen Hühner, Schwein, Hunde, Ziegen, Esel, Kühe herum und leben friedlich mit den Menschen zusammen. Die Tiere werden mit den Schoten von Akazien gefüttert.

Tiere - EselTiere - FerkelTiere - Ferkeln mit HuhTiere - Huhn u HundTiere - Huhn

Mit der Aufforstung fremder Baumarten wie Akazien, aber auch anderen Bäumen aus Japan, Chile und Nordamerika erreichte man, dass Maio heute die größte zusammenhängende Waldfläche der Kap Verden besitzt.

Akazienwald

Das hat den Vorteil, dass die Menschen nun das Holz der Akazien wieder zur Produktion von Holzkohle verwendet können.

Zu Haufen aufgeschichtet schwellt Akazienholz vor sich hin und verwandelt sich allmählich in Kohle. Diese wird in großen Säcken verpackt und auf die anderen Inseln exportiert.

Köhlerei befülltKöhlerei in BetriebKöhlerei offenKöhlerei Säcke

Die Vegetation ist hier sehr arm. Trotzdem findet man immer wieder Felder, die bewässert wurden und mit Maniok, Zuckerrohr, Mais, Bohnen, Kohl und sogar Kokospalmen und Bananen bepflanzt waren.

Karges Land

Gärten - ZuckerrohrGärten - Manjok

Auch eine Vielfalt an wilden Vögeln findet man hier, wie zum Beispiel das Schopfperlhuhn.

Tiere - Perlhuhn

Wir besuchten Figueira im Süden, Pilao Cao, Alcatraz, Pedro Vaz, Santo António im Osten der Insel, danach Cascabulho und Morrinho im Norden und schließlich ging es im Westen wieder zurück über Calheta de Baixo und Morro nach Cidade do Maio.

In allen Orten gibt es neben den vorher schon beschriebenen bunten Häusern diese typischen Kirchen im Kolonialstil und Schulen und Kindergärten, die ich (aus welchem Grund auch immer? ☺) gerne besuche!

Kinder - Gruppe neben StrasseKinder - in TüreKinder - Kindergarten

Als wir wieder in Cidade de Maio angekamen, verabschiedeten wir uns von Toto und gingen wieder essen (frittiertes Fischallerlei und Thunfischcarpaccio).

Essen - 1Essen - 2

Bevor wir unser Dingi erreichten, kamen wir noch bei den Frauen der Fischer vorbei. Dieses Mal konnten wir nicht widerstehen und kauften Thunfisch zum Einfrieren (für unser Atlantiküberfahrt, die schon bevorsteht!).

Thunfisch 0-Kauf

Mit großer Mühe hielt unser Dingi dann beim Start einer Riesenwelle stand und kippte nicht (wir waren patschnass, aber froh, im Boot zu sein! ☺ )!

Im Boot versorgten wir zuerst unsern Thunfisch.

Thunfisch 1Thunfisch 2

Starke Brandung – eine Herausforderung für die Fischer und für uns

Fix und fertig zur Erkundung der Hauptstadt von Maio, Cidade do Maio, standen wir in der Früh auf unserem Boot. Wir schauten hinüber auf die Stadt, weil wir eine günstige Dingi-Anlegestelle suchten. Dabei bemerkten wir, dass die Brandung so stark war, dass wir es mit dem Dingi nicht schaffen würden, an Land zu kommen, ohne zu kentern. Also warteten wir bald eine Stunde lang zu. Gerhard beobachtete verbissen die Wellen und zählte den Abstand zwischen großen und weniger großen Wellen.

Wir holten nochmals wasserdichte Taschen aus unserem Boot und verpackten alles Wichtige darin und dann starteten wir das Unternehmen „Trocken-an-Land-Kommen“.
Kurz vor dem Anlegen mussten wir das Dingi noch schnell für mehrere Wellen quer stellen und dann fuhren wir mit Vollgas hinaus. Wir waren stolz, dass wir alles so gut geschafft hatten und brachten unser kleines Beiboot weit weg von der Brandung in Sicherheit.

1-Dingi

Als wir nochmals auf das Meer schauten, bemerkten wir, dass gerade auch die Fischer des Ortes heimkamen. Wir wollten sehen, wie diese die Herausforderung mit der Brandung lösten und es war eindrucksvoll.

Die Fischerboote fuhren bis dorthin, wo die Wellen zu kippen begannen. Vom Strand her liefen einige junge Burschen in die herankommende Welle, sprangen durch diese durch und tauchten dann beim Boot wieder auf.

2-Boot entladen

Dort gaben ihnen die Fischer die riesigen Thunfische, die sie gefangen hatten aus dem Boot heraus. Die jungen Männer mussten nun mit dem schweren Fang beladen durch die riesigen Wellen an den Strand schwimmen, gehen bzw. wurden geschleudert.

3-Boot entladen4-Boot entladen

Nun schlenderten die Frauen langsamen Schrittes herbei mit riesigen Tabletts unter den Armen und luden sich die schweren Thunfische auf den Kopf, um sie in die Fischhalle zur Verarbeitung zu bringen.

5-Boot entladen - Dame

Währenddessen kamen noch andere junge Männer zu Hilfe und legten die Thunfische inzwischen auf eine Mauer, wo sich die Damen die Fische besser holen konnten bzw. die Entladung schneller vonstatten ging.

6-Thunfische

Fleißig zerlegten die Frauen die Fische, wogen sie, notierten das Gewicht – und das alles unter Aufsicht einiger Hunde.

7-Fischverarbeitung

Auch vor der Halle warteten noch Frauen auf das nächste Boot bzw. ihre Männer. Sie hielten inzwischen ein entspanntes „Tratscherl“.

8-Damen

Nun erst konnten wir unsere Sightseeing-Tour für heute beginnen. Was lag näher, als zuerst zur Kirche zu gehen, die wir ja schon so gut vom Boot aus sehen konnten. Hier von der Kirche konnte man auch gut unsere SanVerDa sehen.

9-Kirche-Boot10-Kirche11-Kirche

Die Kirche wurde aus einer eigens dafür eingeführten Salzsteuer finanziert. Gleich daneben steht die Casa L. A. Cardoso, einstmals wahrscheinlich eines der schönsten Häuser von Cidade do Maio. Es gehörte António Évora, der zu Beginn des 20. Jahrhundert über das Salzmonopol auf Maio verfügte und es wurde im Stil eines Sobrados errichtet.

12-Sobrado

Jetzt gingen wir die Passeio dos Ingleses entlang. Auf dieser Uferstraße steht auf einem Sockel aus Marmor ein steinernes Kreuz mit einer Christusfigur (Christo Rei). Gerade heute am 21. November wird das „Festa do Christo Rei“ mit traditionellen Tänzen und Gesängen gefeiert.

In glühender Hitze marschierten wir vorbei an dem Mercado Municipale, wo wir Bananen und Gurken aus Maio kauften weiter zum Strand Praia Ponta Preta. Es ist ein wunderschöner, gelbsandiger, breiter Strand, der 6km lang ist und wo wir wieder ganz alleine waren.

13-Strand14-Strand15-Strand16-Strand

Auf den Straßen fahren Pickups, marschieren Menschen und kommen auch so die verschiedensten Tiere vorbei bzw. warten vor dem Geschäft.

17-Kuh18-Esel19-Ziege

Nach einem gemütlichen Mittagessen in einem portugiesisch geführten Lokal marschierten wir noch über den Praia da Vila, dem Stadtstrand, zu der Mole und beobachteten die Fischer hier. Sie dürften abgesehen von einem Frachtschiff, das die Insel versorgt und höchstens einmal pro Woche kommt, die einzigen sein, für die dieses riesige Bauwerk gebaut wurde.

Nun überlegten wir beim Zurückgehen, wie wir die hohen Wellen überlisten konnten, um wieder trocken zum Boot zu kommen. Wir waren schon ein bisschen ratlos. Da sahen wir zwei Burschen vor unserem Dingi liegen. Als wir näher kamen, fragten sie, ob sie uns mit dem Boot helfen dürfen (natürlich auf ein Trinkgeld wartend ☺). Wir bejahten und es dauerte nicht lange und es waren plötzlich sechs Achtjährige, die unser Boot ins zogen. Schnell sprangen wir ins Boot. Da kam schon eine Riesenwelle auf uns zu. Zwei größere Burschen hechteten noch in die Welle und gaben unserem Dingi einen letzten Stoß und wir waren am Wellenkamm oben. Schnell startete Gerhard noch den Motor und erleichtert freuten wir, dass wir doch trockenen Fußes zum Schiff zurückkommen. Wir winkten uns gegenseitig als Dankeschön zu (für Fotos blieb in diesen spannenden Minuten natürlich keine Zeit!!!).

Nun sind wir schon vor Beginn des Festes wieder auf unserem Boot, was eigentlich nicht geplant war. Aber manches Mal muss man sich nach den Gegebenheiten der Natur richten. Vielleicht bekommen wir trotzdem etwas von diesem Fest mit. Wir werden sehen.